Geist wirkt.

Wir beten für die Menschen, die während der Pandemie verstorben sind, für ihre Angehörigen sowie für alle, die daran schwer zu tragen haben:

Barmherziger Gott,
in diesen Tagen ist kaum etwas so, wie gewohnt. Manchmal haben wir den Eindruck, die Welt gerät aus den Fugen – auch die kleine Welt um uns herum.
Wir denken heute besonders an nahe und ferne Mitmenschen, die während der Corona-Pandemie verstorben sind und ihre Lieben vor dem Tod nicht mehr bei sich haben konnten. Wir denken an ihre Angehörigen in ihrem großen Weh, ihrer Trauer, ihrer Bedrücktheit; an die Trauernden, die darunter leiden, dass soviel Tröstliches gerade nicht möglich ist.

Kerze anzünden / Herr, erbarme dich

Wir denken an diejenigen, die krank sind, die in den Krankenhäusern liegen, auf den Intensivstationen. Wir denken an ihre Angehörigen, die sich um sie sorgen.
Wir denken an die, die in ihrem Beruf gerade extremen Belastungen ausgesetzt sind: an die Ärztinnen und Ärzte und alle, die in der Pflege arbeiten. Wir denken an die, die Verantwortung für die Organisation gelungener Impfungen tragen.

Kerze anzünden / Herr, erbarme dich

Wir denken an die Kinder, die ihre Großeltern vermissen und an die Großeltern, denen das Trappeln der Kinderfüße fehlt und das laute Kinderlachen im Flur.
Wir denken an die Eltern von Schul- und Kita-Kindern, die bei ihren vielfachen Aufgaben und der Begleitung ihrer Kinder an die Grenzen ihrer Kraft und Geduld geraten.

Kerze anzünden / Herr, erbarme dich

Wir denken an diejenigen, die in Quarantäne leben oder sich aus Angst zurückziehen. Wir denken an alle, die sich einsam fühlen und sich fragen, wie alles werden wird, die sich nach Frieden sehnen und nach einem guten Wort.
Wir denken an diejenigen, die finanzielle Sorgen haben, weil ihre Einnahmen wegbrechen und die Kundschaft ausbleibt. Wir denken an die Entscheidungsträger, die in diesen Tagen so viele Fragen beantworten und schwierige Entscheidungen treffen müssen und die nicht mehr wissen, wo ihnen der Kopf steht.

Kerze anzünden / Herr, erbarme dich.

Über unseren Sorgen wollen wir die Sorgen der anderen nicht vergessen. Manchmal verlieren wir sie jetzt aus den Augen: die Menschen auf der Flucht, die Kinder an der Grenze zwischen der Türkei und der EU, diejenigen, die in Kriegsgebieten ausharren müssen. Und alle, die mit den verheerenden Folgen von Naturkatastrophen zu kämpfen haben.

Kerze anzünden / Herr, erbarme dich

In all unserem Denken, Sorgen und Bitten wollen wir nicht vergessen, dass Du uns in diesen Tagen begleitest, dass Du Bewahrung schenkst und Trost. Dass Nächstenliebe erfahrbar ist, dass Menschen sich einander aufmerksam zuwenden und dafür neue Wege finden. Wir wollen Dir danken für all die Schönheit, die uns trotz allem umgibt und die uns Kraft schenkt, durch diese Krise zu kommen.

Ach Gott, wir beten gemeinsam zu Dir, unserem Vater:

Vater unser im Himmel
 geheiligt werde dein Name.
 Dein Reich komme.
 Dein Wille geschehe,
 wie im Himmel so auf Erden.
 Unser tägliches Brot gib uns heute.
 Und vergib uns unsere Schuld,
 wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
 Und führe uns nicht in Versuchung,
 sondern erlöse uns von dem Bösen.
 Denn dein ist das Reich und die Kraft
 und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
 Kerze anzünden / Herr, erbarme dich

In Anlehnung an: Ute Haizmann, Pastoralblätter, www.herder.de

Seid so barmherzig, wie Gott barmherzig ist!

Lukas 6,36


Barmherzigkeit 2021?

Zusammenstehen und durchhalten, füreinander einstehen!


Den Hungrigen zu Essen bringen und für sie mit einkaufen.

Den Durstigen frisch einschenken.

Die Kranken heilen und Ansteckungen vermeiden. 

Mittellose Menschen versorgen, ihnen Chancen geben.

Die Verstobenen beerdigen und die Angehörigen trösten.

Die Einsamen besuchen und ihnen Gesellschaft leisten.

Die Fremden  freundlich begrüßen und ihnen ein Zuhause bieten.


Wir schaffen das!


Kirchen, so auch unsere Kirche, sind Orte der Gemeinschaft im Glauben, Ruheorte oder Impulsorte. Ort für den Moment oder den Eindruck, Ort des Gebets und der Stille, des Jubels und der Trauer, des Liedes und der Seele. Lassen Sie sich herzlich dazu einladen und finden Sie Ihren Ort an diesem Ort!

Taizé-Andachten
sonntags, 14-tägig, 20.30 h 
Seit vielen Jahren findet eine Gruppe in der St. Aegidii-Kirche ihren Ort für die Andacht in der Tradtion von Taizé: Gebet, Lesung, Gesang, Stille. Die genauen Termine dieser Andachten finden Sie hier.

Andachten und Gottesdienste
Weitere Andachten und Gottesdienste finden innerhalb des Gottesdienstplanes der Evangelischen Kirchengemeinde Quedlinburg statt. Als Förderkreis laden wir jeweils am Tag des Offenen Denkmals zu einer Andacht mit Musik ein. Beachten Die dazu bitte unseren Veranstaltungsplan.

Wer unsere Kirche besucht, muss auch hierbei den Weg bewusst suchen, finden und gehen.  

Beziehen wir dies z.B. auf Besucher/innen Quedlinburgs, müssen sie den Weg zu unserer Kirche express suchen - diese steht nicht an den typischen Touristenpfaden. Uns so sind es dann vielleicht auch besondere Besuche: aus bewusster Planung, aus Neugier oder bewusst aus alter Verbundenheit. Jede/r die/der kommt, sorgt somit für eine beidseitige Entdeckung.


Kirchen gehören oft auf die Stadterkundungslisten - nachweislich zu 75% aus kunsthistorischem Interesse und damit nur zu einem Viertel aufgrund der Suche nach einem geistlichen Erlebnis. Mit dem Besuch aber oft der weitergehende Blick von der Kulturhistorie zur Religiosität: der dann Erlebten, der Verborgenen oder der Gelebten. Für uns immer wieder re-motivierend: gute Gespräche in unserer Kirche. Dabei immer Gespräche über unsere Kirche, ihre Geschichte und ihre Besonderheiten. Aber auch - und das fasziniert im Besonderen - ein weiterer Gesprächsfaden in diese eigene Gläubigkeit, die eigene Position zu „Kirche“ an sich und vielleicht sogar dem eigenem Bekenntnis. 

Ein solcher Faden entspinnt sich mit dem Thema, „Was bedeutet mir Kirche?“, „Welch kulturelle Bedeutung gab es und hat heute Kirche und Christentum?“ und „Welchen Sinn möge Kirche heute haben?“. Somit funktioniert der Ort: zur Begegnung, zum Einblick und zum geistig/geistlichen Austausch. 


Anfang des Jahres ruft es dabei einer brandenburger Familie in Erinnerung, dass es im Nachbarort auch einen Kirchenbauverein gibt, dessen Leistung bewusst wird und der zur möglichen Mithilfe einlädt.

Einige Öffnungszeiten später dann ein Pärchen aus Berlin, mit rheinländischen und katholischen Wurzeln. Kirchen immer auf ihren Stadtbesuchsprogrammen, aber nur noch wenig im gelebten Leben. Im Gespräch stellt sich die Frage nach dem Warum, nach den Berührungen und deren Wirkung und nach der Erkenntnis, dass Kirche nicht nur das Gebäude am Ende der Straße ist, sondern auch die theologische oder philosophische Herausforderung oder die Tradition mit steigender, eigener Bedeutung. Eine Kirchenbegenung damit als Impuls zur Reflexion einer Position, einer Lebensüberzeugnung und der eigenen Sinnfrage? Immer gern!


Jedes dieser Gespräche belohnt jedwede Mühe unseres Förderkreises - wir danken für diese guten Gespräche!


St. Aegidius

Evangelische Kirchen fokussieren sich eher weniger auf Heilige. Da unsere Kirche und ihr Namenspatron aber seit vielen hundert Jahren verbunden sind, verdient dieser Heilige eine Aufmerksamkeit. 
 
Aegidius ist als Sohn reicher Kaufleute in Griechenland geboren und gelang auf einer Sinnsuche nach dem Leben u.a. nach Frankreich, wo er in der Ruhe der Natur in einer Waldhöhle lebte und betete. In seiner Verbundenheit zu Gottes Welt ernährte er sich nur von dem, was ihm die Natur gab. So wird in Überlieferungen davon berichtet, dass er sich von der Milch einer Hirschkuh versorgte.
Als der regioanle Fürst während einer Jagd auf diese Hirschkuh ansetzte, stellte sich Aegidius schützend dazwischen, wurde vom Pfeil getroffen und rettete dem Tier so das Leben. Die Verletzung nahm Aegidius zum Anlass, über die Verletzlichkeit zu meditieren und sah darin eine spirituelle Herausforderung, der Verletzlichkeit von Kreaturen zuvor zu kommen. Aus Bedauern seines Handelns stiftete der Fürst ein Kloster, welchem Aegidius bis zum Lebensende vorstand und welches sich der Behandlung von kranken Menschen widmete.
Weitere Wunder wurden ihm zugerechnet, so das Lilienwunder, welches einer Frau die Fruchtbarkeit zurückgab. Er zählt zu den 14 Nothelfern und wird u.a. von Schwangeren, sowie von Menschen mit seelisch Erkrankungen oder Epilepsie angebetet. 
In seiner Zuwendung für Verletzte und Kranke mag er bis heute wirksam sein und uns an das Wunder und das Geschenk des Lebens sowie dessen Verletzlichkeit auch durch unser Handeln erinnern. 

 

Ein Tag des offenen Denkmals 2018 in St. Aegidii - Denk mal an!

 

Denk mal an ein Denkmal, das im Besonderen eine Kirche ist. Eine Kirche, die vor über 800 Jahren erstmals erwähnt wurde. Eine Kirche die rund 30 Generationen ein Ort des Gebetes, der Gemeinschaft, der Lebensfeiern gewesen ist. 


Denk mal an den Schutzpatron dieser Kirche: den Heiligen Aegidius! Auch wenn wir Protestanten einen Umgang mit Heiligen nicht ganz so stark im Alltagsblick haben - Aegidius ist vielen Menschen ein - bis heute wirkender, impulsreicher Mensch.

 

Denk mal an diesen Aegidius! Als Sohn reicher Kaufmannseltern sagte er sich dem reichen Leben los, suchte das Einfache und lebte als Eremit in einem Wald. Begnügte sich mit dem, was er fand und widmete sich dem Gebet, der Armenfürsorge  und der Botschaft des Friedens. Er gilt bis heute als Schutzpatron u.a. der Schwangeren, für Menschen in geistiger Not und bei Verlassenheit. 

 

Denk mal am Tag des offenen Denkmals, dass diese Kirche ein besonderes Denkmal ist und ihr dieser Aegidius über 800 Jahre Inhalt, Geist und Leitbild war und ist. 

Wir haben ein Denkmal, dass uns nicht nur als Denkmal, sondern als „Denk-mal-nach-Ort“ das Nachdenken anbietet. 

 

Denk mal an die Möglichkeit, Aegidius wäre heute hier und er würde uns auffordern: Denk mal an!   Was würde er vorschlagen? 

 

Ich denke, er würde uns an seine Lebensthemen Gebet, Armenfürsorge und Frieden denken lassen. 

 

Er würde uns auffordern, mit ihm über die Wirkung des Gebets, das Sprechen mit Gott und das an-Gott-bleiben nachzudenken. Dem Gebet zu vertrauen und es wirken zu lassen.

 

Er würde uns fragen, wie haltet ihr es mit der Armenfürsorge und den Werken der Barmherzigkeit?  Wie kümmert ihr euch um Verlassene, Fremde und Kranke? Welche Heilung und Begleitung erhalten kranke Menschen und Menschen mit einer Behinderung? Wie willkommen heißen wir fremde Menschen und Menschen in Einsamkeit? 

 

Er würde uns fragen, was tut ihr für den täglichen Frieden? Einen Frieden in euch, in eurer Stadt, eurem Land, in Syrien, in Chemnitz? Könnt ihr dem bestehenden Frieden dankbar sein und damit sehen, wie eminent wichtig Frieden für alle ist? 

 

Denk mal an die Möglichkeit, Aegidius ist heute prägender Mitwirkender in unserem Förderkreis und in unserer Stadt und in unserer aktuellen Politik. Ich bin mir sicher, er würde uns prägen und wir sollten es zulassen.

 

Denk mal an das Gebet und Gottes Wirken in unserer Zeit, denk mal an die Not einsamer und kranker Menschen und denk mal an den Frieden, im kleinen und großen, der ist und der erhalten werden muss.

 

Denk mal daran, dass wir dieses Denk-mal-an brauchen, dass wir uns entdecken: wir-sind-mehr! Und denk mal daran: ein solcher Aegidius-Geist ist der besondere Geist in einem solchen Denkmal. 

 

Denk mal mit, was wir heute aus Aegidius‘ Botschaft machen können und müssen und lass dich immer wieder neu einladen in einen solchen Denk-mal-an-Ort, der dich, mich, uns denken lässt und zum Handeln einlädt.